Brauchen Sie Hilfe?
I. Was sollten Eltern tun, wenn sie herausfinden, dass ihre Kinder Drogen konsumieren?
Schon viele Eltern haben dies erlebt. Man findet heraus, dass das eigene Kind Drogen nimmt und versucht meist zuerst einmal mit ihm zu reden. Dabei wird jedoch häufig das Problem heruntergespielt. Das entdeckte Marihuana sei nur von einem Freund, meint das Kind zum Beispiel, wenn es zur Rede gestellt wird. Oder dass er/sie es wenn, dann nur ganz wenige Male geraucht hat und damit jederzeit aufhören könnte, wenn man wolle.
In solch einem Fall sollten die Eltern an erster Stelle Informationen oder qualifizierte Hilfe aufsuchen, die ihnen Hilfestellungen geben, wie man sich am besten mit seinem Kind über diese Problematik unterhält. Armando Tambelli Jr., ein Erziehungsberater, sagte dazu: „Bevor man den Jugendlichen anspricht, sollte das Ehepaar das eigene Leben betrachten: Wie war die eigene Jugend? Man sollte zu zweit genau abklären, wie man vorgehen will. Kann man sich nicht einigen, sollte man jemanden zu Rate ziehen, den der Jugendliche respektiert, zum Beispiel ein Verwandter oder ein Freund der Familie.
Außerdem ist es sehr wichtig zu schauen, was über Drogen Zuhause geredet wird und welche Grenzen für diese gesetzt wurden. Denn der Jugendliche wird immer irgendetwas zu erwidern wissen, um den Konsum zu rechtfertigen. Beispielsweise meinen Jugendliche oft: „Papa, du kannst mir dies nicht verbieten, denn du selbst rauchst Zigaretten oder trinkst dein Bierchen am Wochenende.“
Sollte man einfach seine Autorität als Eltern nutzen? Kann man. Jedoch ist es in solch einem Moment besonders wichtig, ruhig zu bleiben.
Eine lange Unterhaltung über Lebensperspektiven des Jugendlichen kann aber sogar wirkungsvoller als bloßes Neinsagen sein: Was erwartet mein Kind eigentlich von seiner Zukunft? Verliert man die Geduld, fängt man eher an, den Jugendlichen zu beschuldigen, zu bedrohen und ihm ungerechte Strafen aufzuerlegen, was meist genau ins Gegenteil der erhofften Wirkung umschlagen kann und zu einer unüberwindbaren Kluft zwischen Eltern und Kind führen kann.
Der Psychologe Marcos Govoni meinte dazu: „Wenn es gegenseitigen Respekt und festgelegte Grenzen gibt, kann dem Jugendlichen geholfen werden ohne größere Schwierigkeiten, die Drogen aufzugeben. Wurden die Grenzen vorher nie gesteckt, ist es trotz allem nie zu spät anzufangen. Als Druckmittel könnte man zum Beispiel die Wünsche des Kindes nicht mehr erfüllen, denn durch Entbehrung kommt Bewegung ins Leben.“
Es reicht nicht, dem Jugendlichen den Konsum zu verbieten, sondern man sollte ihm gleichzeitig zeigen, dass dies seinem Leben Schaden zufügt, und dem Jugendlichen helfen die Probleme zu lösen, die ihn dazu bewegen Drogen zu nehmen.
Wir raten dazu, dass betroffene Eltern das CAPS AD (Zentrum für psychosoziale Behandlung – Alkohol und andere Drogen) aufsuchen, das sich auf Suchtkrankheit spezialisiert hat. Hier werden sowohl den Jugendlichen als auch den Eltern Informationen und professionelle Hilfe angeboten.
Eine weitere Maßnahme wäre das Aufsuchen von psychologischer Beratung. Dabei reicht es nicht, dass sich nur der Jugendliche einer Behandlung unterzieht. Auch die Eltern müssen sich an der Therapie beteiligen, denn die meisten Experten auf diesem Gebiet sind sich einig, dass Drogensucht oft eine Folge eines schwierigen Umfeldes ist. Das bedeutet demzufolge, dass die Eltern genauso Hilfe brauchen wie das Kind.
Deswegen wurden Selbsthilfegruppen gegründet für die Familien Suchtkranker, wie beispielsweise „Nar-Anon“ oder „Amor Exigente“ (AE). Letztere behandelt Aspekte wie emotionale Distanz, Schuld und Grenzen. Das alles geschieht unter dem Motto: „Wir lieben dich, aber wir finden nicht gut, was du machst.“
Wieso ist diese Art von Hilfe nötig?
Eltern von Kindern, die sich schon im fortgeschritteneren Stadium des Drogenkonsums befinden, werden oftmals ausgenutzt; das heißt das Chaos, das den familiären Alltag beherrscht, schafft oftmals, was Experten Co-Abhängigkeit - eine \"ungesunde Beziehung der Eltern, Kinder oder Lebensgefährten zu dem Drogenabhängigen\" - nennen. Eltern werden buchstäblich zu Abhängigen der Abhängigkeit des Kindes. Zum Beispiel beginnen sie, endlose Schecks zur Begleichung von Rechnungen bei den Drogendealern auszufüllen, wenn sie in diesen tödlichen Prozess eintreten. Immerhin aber wird dies aus Liebe und Schutz getan.
Um diese Co-Abhängigkeit zu vermeiden, brauchen auch die Eltern Hilfe, selbst wenn das Kind keine Behandlung machen will. So können Eltern Verhaltensweisen erlernen, die vielleicht das Kind zu einer Therapie bewegen. Durch Änderung der eigenen Haltung ist es möglich, dass auch das Kind, das Drogen konsumiert, nachgibt und letztendlich einer Behandlung zustimmt.
II. Wenn Ihr Kind Drogen konsumiert ...
Informieren Sie sich, wenn möglich mit fachmännischer Hilfe, bevor Sie mit ihrem Kind reden! Es wird immer ein Argument zur Rechtfertigung des Konsums haben und außerdem das Problem herunterspielen!
Erlauben Sie es nicht, dass Ihr Kind zu Hause Marihuana raucht, um dadurch Kontrolle darüber erhalten zu wollen! Dies vermindert keine Risiken und ist dazu noch verboten!
Wenn Ihr Kind stur ist und nicht auf Sie hören will, suchen Sie jemanden auf, den das Kind respektiert, beispielsweise einen Verwandten oder einen Freund der Familie!
Bringen Sie Ihr Kind zum Psychologen oder Psychiater! Zeigen Sie ihm, dass es sein eigenes Leben damit zerstört und dass eine Therapie helfen kann, die Probleme, die dazu geführt haben, zu überwinden. Es ist wichtig, dass der Experte Erfahrung auf dem Gebiet der Suchtkrankheit hat!
Nehmen Sie teil an Selbsthilfegruppen für Eltern von Drogenabhängigen, auch wenn Ihr Kind sich nicht in Therapie befindet! Wenn Sie Ihre eigene Verhaltensweise ändern, kann es sein, dass Ihr Kind gewillt ist, auch eine Behandlung zu machen.
Setzen Sie feste Grenzen zu Hause! Beispielsweise können Sie Ihrem Kind Aufgaben zuteilen, sein Geld kontrollieren oder Zeiten festlegen. Solange der Jugendliche alles hat, was er braucht, ist es umso schwerer ihn dazu zu ermutigen, die Drogen aufzugeben.
Seien Sie unbeugsam, aber nicht offensiv! Es kann sehr helfen, wenn Sie definieren, was erlaubt ist und was nicht.
Und denken Sie daran, dass Sie, indem Sie die Schulden Ihres Kindes bei Drogendealern zahlen, vielleicht den Suchtkreislauf Ihres Kindes antreiben! Und zögern Sie keine Sekunde, professionelle Hilfe aufzusuchen, wenn Ihr Kind bereits Drogendealer aufsucht!
III. Kennzeichen, dass Ihr Kind Drogen konsumiert:
Wut, Aggression, Reizbarkeit, obszöne und gewalttätige Gesten und Sprache
Pfeifen, Klemmen, Taschenmesser, angebrannte Löffel, Zigarettenpapier, Körnchen im Aschenbecher. Gebrauch von Deo oder Räucherstäbchen im Zimmer.
Nicht mehr mit Stresssituationen umgehen können. Aufgeben, wenn es um das Lösen von Problemen geht.
Verschwinden von Geld und von Wertgegenständen. Besitz von ungewöhnlich viel oder wenig Geld.
Ausweichen bei Gesprächen über neue Freunde, anonyme Telefonanrufe.
Geweitete Pupillen; Gebrauch von Augentropfen und Sonnenbrillen, auch wenn es nicht nötig ist.
IV. Einige Gründe, warum Jugendliche zu Drogen greifen
Neugier
Gruppenzwang
Wunsch nach Zugehörigkeit im Freundeskreis
Flucht vor Problemen
Herausfordern von Autoritätspersonen
Unsicherheit
Fehlende Aufklärung
Emotionale Probleme
Leichter Zugang
Fehlender Lebenssinn
Gestörtes Familienumfeld
Fehlende Lebensaufgabe
Ventil bei Konflikten
„Eltern können nicht für Drogenprobleme verantwortlich gemacht werden, sie sind lediglich Mitschuldige dieser Tragödie.“ Marcos Govoni – Psychologe und Fachmann für Suchtkranke